Die Geschichte von Kuhhorst (1945 -1989)

nach 1945
Kuhhorst wird zum Anlaufpunkt für viele Flüchtlinge aus Schlesien und Pommern, kurzzeitig steigt die Anwohnerzahl auf 465 Menschen. Fast jede Familie hat in dieser Zeit bis zu sechs Kinder. Es herrscht eine große Wohnungsnot. Die Menschen leben im verlassenen Gutshaus, auf Heuböden, in Ställen und in Scheunen.

alter gutshof dorfkrug

Der alte Gutshof (jetzt Dorfkrug)

Eine Einheit der Sowjetarmee ist hier stationiert, dadurch gibt es einen kleinen Feldflughafen unweit des Dorfes.

1946
Das Ackerland des Gutes wird mit der Bodenreform enteignet und hier in Kuhhorst besonders unter den zahlreichen Flüchtlingen aufgeteilt.

1947
Viele Neubauern besitzen zwar Land zwischen 6 und 10 Hektar, aber keine Höfe. Wie vielerorts in der damaligen Ostzone werden für die Neubauern Höfe gebaut – Wohn- und Produktionsstätte zugleich. Wegen der Lage im Luch und wegen knapper Baumaterialien entwickelt der Vorgänger der späteren Bauakademie der DDR Häuser in Leichtbauweise. Diese Fachwerkhäuser bestehen aus einem Wohnbereich im vorderen Teil und dem Stall im hinteren Bereich. Bäume für das Bauholz werden bei Bedarf im Wald gefällt und die Steine meist aus Ruinen gewonnen. Davon gibt es in Kuhhorst heute noch vier Häuser, die meist von zugezogenen Berlinern saniert und bezogenen wurden. In den fünfziger Jahren gebaute Bauernhäuser waren kleiner.

Im sogenannten Herrenhaus wohnen 1947 viele Familien, dort wird später eine Kneipe, einen Kindergarten und den Konsum eingerichtet.In der Dorfschule, die 1804 vom damaligen Besitzer des Gutes, Oberamtmann Sach, gestiftet wurde, lernen die zahlreichen Kinder des Dorfes in zwei Schichten – am Vormittag und am Nachmittag.

1952
Die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Typ 1 wird gegründet. Typ 1 bedeutet, dass nur das Land zusammengelegt wird. Nur vier Neubauern beteiligen sich.

kohlerntebrigade

Kohlerntebrigade

Im Dorf gibt es nur wenig befestigte Straßen. Die Pferdegespanne und Traktoren müssen sich oft durch Morast kämpfen, um zu den Ställen und Scheunen zu gelangen.

1960
und schon einige Jahre davor werden die noch existierenden Einzelbauern mit Nachdruck aufgefordert, in die Genossenschaft einzutreten. Einige verweigern sich und flüchten über die Sektorengrenze nach Westberlin. Allen anderen noch anwesenden Bauern in Kuhhorst treten in die schon bestehende LPG „Einheit“, Typ 3, ein. Das bedeute, dass nun Vieh, Maschinen und Gebäude genossenschaftliches Eigentum sind.

 

1970
Die LPG Kuhhorst wird der Friedenhorster Genossenschaft zugeordnet. Die Kinder des Dorfes fahren jeden Tag nach Friedenhorst (heute wieder Königshorst) in die Schule.

alter gutshof schloß

Das alte Herrenhaus des Gutshofes – kurz vor dem Abriss

1980
Das verfallene Gutshaus, im Dorf oftmals Schloss genannt, wird endgültig wegen Baufälligkeit abgerissen. Manch Eigenheim- und Garagenbauer versorgen sich dort mit begehrtem Baumaterial.

Der Gutspark, einst mit ausgewählten Bäumen, Sträuchern und Wegen angelegt, verwildert zunehmend. In den neunziger Jahren wird noch einmal versucht werden, den Park zu rekultivieren, aber es wird bei einem Versuch bleiben. Heute ist dort ein interessantes Biotop mit Wildblumen (viele geschützt) und eine große Fläche mit Bärlauch entstanden.

 

 

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