Die Geschichte von Kuhhorst (nach 1989)

1990
Die Wende wird in Kuhhorst erst einmal völlig unaufgeregt zur Kenntnis genommen. Erst als die LPG in Friedenshorst (jetzt wieder Königshorst) aufgelöst wird, umliegende Betriebe geschlossen werden und viele Kuhhorster ihren Arbeitsplatz verlieren, wird das Ausmaß der Veränderung deutlich. Der Anteil der Arbeitslosen an der arbeitsfähigen Bevölkerung ist sehr groß. Zu dieser Zeit leben ungefähr 88 Menschen in dem kleinen Dorf, das einstmals als Vorwerk von Königshorst gegründet wurde.

richtfest

Richtfest des Werkstattbaus auf dem Gelände des ehemaligen Gutshofes

1991
Es kommt wieder Leben ins Dorf. Das Mosaik e.V. aus Berlin will auf dem ehemaligen LPG-Hof ökologische Landwirtschaft betreiben. Und das mit einem großen sozialen Anliegen. Behinderte Menschen sollen hier arbeiten und leben. Es entsteht eine Wohnvorbereitungsgruppe mit Menschen mit Behinderungen. Die Beteiligten sollen zukünftig in zwei Wohnheimen in Kuhhorst leben.

Auf dem Gelände des ehemaligen Schlosses wird das Hauptwohnhaus für 16 Personen geplant. Ein weiteres Wohngebäude für 8 Personen entsteht nebenan. Mittlerweile sind die modernen Einrichtungen voll belegt und die Bewohner sind fester und anerkannter Bestandteil der Dorfbevölkerung geworden. Die Grundrisse des ehemaligen Gutshofes wurden beim Bau des Wohnhauses und der Werkstattgebäude erhalten. Die rechte Seite wurde bis auf den Kopfbau abgerissen und auf dem gleichen Grundriss ein modernes Funktions- und Produktionsgebäude errichtet. Enthalten ist unter anderen ein Hofladen mit Ökoprodukten aus eigener Produktion und anderer Ökoanbieter, eine Molkerei (zurzeit stillgelegt) und eine Nudelproduktion. Zum Hofgeviert gehört weiter ein Schweinestall und eine Getreidetrocknungsanlage. Etwas abgelegener steht ein moderner Rinderoffenstall, ein Gänsestall mit großer Gänsewiese und ein Geflügelschlachthaus, in dem jedes Jahr 600 Gänse und 400 Enten für das Weihnachtsfest vorbereitet werden. Der Ökohof Kuhhorst ist zum zentralen Teil des Ortes geworden.

dorfkrug

Der Dorfkrug

1996
Der Dorfkrug wird eröffnet. Vormals gab es in Kuhhorst gleich neben den nicht mehr existierenden Konsum die Horstenklause. Sie war mehr ein Ort des scharfen Trinkens als ein Treff der Bewohner. An gleicher Stelle wurde nun der Dorfkrug in Regie von Mosaik eröffnet. Der Raum, in dem 40 Personen Platz finden, wurde vom ortsansässigen Schnitzer Bernd Müller gestaltet, dessen Werkstatt ein paar Meter weiter zu finden ist. Ein alljährlicher Höhepunkt ist das St.-Martinsgans Essen mit Tieren aus eigner ökologischer Haltung.

Neben der Gaststätte findet sich ein Saal für 70 Personen, den die Kuhhorster auch zu großen Familienfeiern oder zu anderen Zusammenkünften nutzen können. Wochentags essen hier die Behinderten und Ihre Betreuer Mittag. Über der Gaststätte können 20 Besucher der Region in sieben Pensionszimmern übernachten.

2002
Mit der Gemeindereform gehört Kuhhorst als Ortsteil von Deutschhof (seit 1928) zur Gemeinde Fehrbellin. Für die Bevölkerung ist es nun schwerer Behördengänge zu erledigen. Einiges kann in Fehrbellin, anderes muss nun in Neuruppin erledigt werden. Das ist sehr schwierig, weil außer Schulbussen keine regelmäßige Busverbindung mehr besteht. Statt des ehemals hauptamtlichen Bürgermeisters gibt es nun einen ehrenamtlichen Ortsbürgermeister in Deutschhof.

Hoffest Stände

Veranstaltung des Vereins „Ländliches Kuhhorst“ mit Marktständen

2004
Der Dorfverein Ländliches Kuhhorst wird gegründet. Der Zusammenschluss ist mittlerweile eine Sache des gesamten Dorfes geworden. Der im Statut festgeschrieben Zweck hat sich bewährt: Die Förderung der Heimatverbundenheit, die Förderung ländlicher Traditionen, die Veranstaltung traditioneller Feste, die Integration behinderter Menschen, Freizeitangebote, Kulturangebote und die Förderung des Tourismus in Kuhhorst. Nach zehnjährigem Bestehen prägte der Kulturverein mit seinen Veranstaltungen das Leben in der Gemeinde: Osterfeuer, gemeinsames Brotbacken im Dorfbackofen zu Weihnachten und ein jährliches Dorffest. Mittlerweile fanden 8 Hofkonzerte statt – von russischer Balalaika bis Barock. Auch Workshops zum Sense dengeln, Korb flechten, Obstbäume schneiden oder sogar Tango tanzen gehören zum Angebot.

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